Real Talk Industrie 4.0 – Was ist zu tun?

Menschliche und Roboter-Hand treffen aufeinander

Industrie 4.0 ist seit 2013 in aller Munde und wird seitdem mit ausschließlich positiven Eigenschaften belegt und als "Die Zukunft" der deutschen Industrie gehandelt. In diesem Beitrag betrachten wir das Thema etwas kritischer und geben Ihnen Ideen an die Hand, die Ihnen den Weg in die 4. industrielle Revolution ebnen.

Alles neu macht der Mai, oder eben die Bundesregierung…

Schauen wir erst einmal wo die Revolution herkommt. Im Jahr 2011 wurden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft vom Bundesforschungsministerium (BMBF) dazu aufgerufen, im Rahmen der High-Tech Strategie der Bundesregierung, eine Forschungsagenda mit Umsetzungsplan für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 zu erarbeiten. Nach zwei Jahren Arbeit wurde das 111-Seiten starke Schriftstück öffentlich auf der Hannover-Messe unter tosendem Applaus zum Besten gegeben. Logisch, bei einem Förderumfang von 470 Millionen Euro kann man mal klatschen und die rosarote Brille aufziehen. Geneigte Leser lassen sich eventuell dazu hinreißen, das „4.0“ als Verweis auf das Investitionsvolumen zu sehen. Dem ist aber nicht so. Mit dem Ausdruck "4.0" wird Bezug genommen auf die drei vorherigen industriellen Revolutionen, wobei an dieser Stelle erwähnt sein sollte, dass die Erste, Zweite und Dritte industrielle Revolution im Vergleich zur Vierten ex post definiert wurden. Diesen Job übernehmen in aller Regel Historiker. Da man ja flexibel ist, konnten die Verantwortlichen wohl in die Zukunft schauen – der rosaroten Brille sei Dank.

 

Wo Industrie 4.0 draufsteht, ist auch Industrie 4.0 drin?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Um es kurz zu machen, 470 Millionen an Fördermitteln sind sehr gute Gründe auf jedes Forschungsprojekt Industrie 4.0 draufzuschreiben, auch wenn es nicht drin ist. Im Kern geht es darum, Mensch und Maschine kommunikationsfähig zu machen, um eine vollständig integrierte, intelligente und selbststeuernde Umgebung zu schaffen. Das große Ziel: Sowohl Mensch als auch Maschine speichern ihr Wissen in einem digitalem System, dem sogenannten Cyber-physischen System, welches dann automatisch die Wertschöpfungskette optimiert. Viele Unternehmen scheitern aber daran, die anfallenden Informationen von den Mitarbeitern oder Maschinen abzugreifen und in der digitalen Welt zu speichern. Sofern ein Unternehmen dies bereits über alle Systemgrenzen hinweg beherrscht, Sie tätigen bereits den ersten notwendigen Schritt in Richtung Industrie 4.0! Allerdings gibt es eine zweite, noch ausgeprägtere Hürde. Die Erschließung der passenden Semantik, also der Logik, wie die Daten miteinander verknüpft werden müssen, um möglichst gewinnbringenden Erkenntnisse für das Unternehmen zu generieren.

 

Wer A sagt muss auch B sagen

Leider ist die Logik, mit der die Daten verarbeitet werden, nur die halbe Wahrheit. Mathematisch korrekt müsste man hier von einer notwendigen aber nicht hinreichenden Eigenschaft sprechen. Die Logik muss auch durch die entsprechende Automatisierungstechnik umgesetzt werden, erst dann entstehen eigenständige Wertschöpfungsnetzwerke, wie es derzeit auf diversen Hochglanzfolien auf Flughöhe 20.000 Fuß zum 100-stem Mal prophezeit wird.

 

History Repeating

Einige Leser erinnern sich eventuell noch an den Begriff CIM (computer integrated manufacturing). Ein Schlagwort, das bereits in den 1970er Jahren auftauchte und wie Industrie 4.0 als die Zukunft der Produktion angepriesen wurde. Heute redet niemand mehr darüber, der CIM-Ansatz ist gescheitert. Zu spät kamen die ersten praxiserprobten Lösungen auf den Markt, deren Invest für eine Vielzahl von Unternehmen nicht zu bewerkstelligen war. Damit Industrie 4.0 nicht das gleiche Schicksal wie CIM ereilt, ist es wichtig, nicht nur über den Zielzustand zu sprechen, sondern auch über den Weg dorthin. Skalierung ist das Wort der Stunde! Bevor die Automatisierungspyramide durch ein CPS ersetzt wird, vergehen noch einige Jahre. Zeit, die dazu genutzt werden sollte, bereits heute die vertikale Integration der IT-Landschaft aufzuweichen, um Medienbrüche und Kommunikationsbarrieren zu vermeiden. Arbeiten Sie an Ihrer Datenverfügbarkeit sowie Ihrer Datenqualität, vor allem in Hinblick auf die Echtzeitfähigkeit. Und vergessen Sie die Infrastruktur nicht. 

 

Fazit

Wenn Sie schon aufrüsten müssen, dann greifen Sie doch gleich zu zukunftssicheren In-Memory-Datenbanken oder binden Sie mobile Endgeräte in Ihre Prozesse mit ein. Kurzum – weichen Sie die Automatisierungspyramide erst auf, bevor Sie an eine Ersetzung denken. Es gilt, erst die low-hanging Fruits zu ernten, bevor man zu den ganz großen Ästen greift.